28. Winter-Universiade 2017 – Almaty/KAZ

28. Winter-Universiade 2017 – Almaty/KAZ

2017-01-26 12-15-29 - 007

Die letzte Universiade 2015 in der Slowakei habe ich persönlich als sehr erfolgreich in Erinnerung und hatte mit dieser Herausforderung eigentlich schon abgeschlossen. Allerdings äußerte der Sportdirektor des Allg. Deutsche Hochschulsportverband, Thorsten Hütsch, im Herbst den Wunsch, dass er mich gern mit in der deutschen Mannschaft der Studierenden hätte. Die Zustimmung der Hochschule und der Nachweis der sportlichen Leistungen waren schnell dargelegt. Es sollte also nach Almaty gehen.
So sehr mich dieses weit entfernte Land Kasachstan reizte, stellte dies die größte Schwierigkeit dar. Die Skilangläufer werden für die Teilnahme von keinem Spitzensportverband, Stiftungen oder staatlichen Stellen finanziell unterstützt. Somit musste ich für Flug, Unterkunft und weitere kleine Posten über 2.500€ auftreiben. Keine einfache Sache. Dieser Krimi zog sich über mehrere Monate bis über den Jahreswechsel hin-weg. Im Januar dann die Gewissheit und Erleichterung. Ich habe tolle Unterstützer gefunden, die mir die Teilnahme ermöglichen. Jetzt wurde im Training die letzte Feinabstimmung vorgenommen und dann saß ich auch schon im Flieger.
Vom Flughafen aus wurden wir direkt ins Olympische… äh Universiade-Village gebracht. Wahnsinn. So hatte ich die Weltsportspiele der Studierenden noch nicht erlebt. Die 2.000 Athleten aus allen Sport-arten waren zentral in einem riesigen Areal mit mehreren Wohnblocks, die in Form eines U angeordnet waren, untergebracht. Am Eingang musste man jedes Mal schärferen Sicherheitskontrollen als an dt. Flughäfen über sich ergehen lassen. Einmal drin, fehlte es dann aber an fast nix. Eine riesige Mensa für mehrere Tausend Sportler, Kraft-raum, Schwimmbad, Zeremonienplatz, Supermarkt, Bank, Polizeistation, die ganze Organisation und Weiteres schafften beste Voraussetzungen. Wir Sportler waren in kleinen Wohneinheiten mit 3-6 Mann ein-quartiert, die für eine nachhaltige Nutzung nach diesem Sportevent zu modernen Wohnungen für die wachsende Bevölkerung Almatys umfunktioniert wird.

2017-01-26 14-05-30 - 012
Wir sind extra ein paar Tage früher angereist um uns auf die speziellen Bedingungen, bedingt durch den südlichen Breiten-grad und der Höhenlage, vorzubereiten und den Jetlag vor dem ersten Rennen aus-geschlafen zu haben. Also ging es bereits an Tag 1 mit dem Bus raus an das 50km entfernte Skilanglauf Stadion. Begleitet wurde jeder Reisebus mit einer Polizeieskorte und jede Kreuzung wurde zusätzlich von einer Streife geregelt um halbwegs schnell durch die Millionenstadt zu kommen. Trotzdem dauerte so ein Transfer zu Hauptverkehrszeiten mitunter über zwei Stunden. Die lohnten sich aber! Oben im Alatau Gebirge angekommen, hatte man den permanenten Smog hinter sich gelassen und man konnte die herrliche Winterlandschaft am Fuße der hohen Bergen genießen. Erst hier erlebt man wohl das wahre Kasachstan. Einmalig war sicherlich aber auch die Begeisterung der über 3.000 Volunteers, Helfer und Zuschauer, die die hohen Sicherheitsvorkehrungen keinen Abbruch taten. Diese gigantische Veranstaltung lief bis zum Ende ohne Komplikationen und jedem Wunsch wurde nachgegangen. Die Eröffnungsfeier im neu errichteten Eislaufstadion gleich neben dem Athletendorf war bis zum letzten Platz gefüllt und es bot sich eine gigantische Show über fast zwei Stunden, die sich der von Olympischen Spielen nicht verstecken muss. Ka-sachstan war ein würdiger Austräger. Nach der Juniorenweltmeisterschaft Nordisch, Asienspielen und jetzt der Universiade ist Almaty zu Großem fähig. Warum Peking den Zuschlag für Olympia 2022 bekommen hat, ist wohl nur sportpolitisch zu erklären.

2017-01-29 21-32-59 - 059
Für mich standen in den zwei Woche vier Wettkämpfe auf dem Programm. Den Auf-takt machte der 10km Einzel in der klassischen Technik. Bei traumhaften Bedingungen mit einer harten Loipe und blauen Himmel war eine 5km Runde zweimal zu durchlaufen. Ich wusste, als eher auf Marathon spezialisierter Athlet musste ich schnell starten um nicht zu viel Zeit am Anfang liegen zu lassen. Dies lief auch wie geplant. Ich fand gut ins Rennen und war an den Zwischenzeiten um Platz 35 von knapp 90. In der zweiten Runde ging mir etwas der Kick in der ungewohnten Technik aus und musste mich quälen um das Tempo weiter hoch zu halten. Trotzdem machte ich noch einige Plätze gut und lief so in die Top30. Damit hatte ich eine vernünftige Ausgangsposition für den tags drauf folgenden Verfolger in der freien Technik, aber wieder „kurzen“ 10km. Sollte mir aber schon besser liegen. Dementsprechend aggressiv ging ich auch an. Die Zeitabstände vom Einzel waren nicht groß und bei dichten Schneetreiben bildeten sich schnell Gruppen. Ich konnte aber immer wieder aufs Tempo drücken und mich nach vorn arbeiten. Das Ziel überquerte ich als 20. und mit der 18. Nettozeit war ich sehr zu-frieden. Ein Top20 Ergebnis hatte ich mir für die Spiele vorgenommen und das schon im zweiten Rennen und auf den 10km!

2017-02-08 06-13-32 - 0196
Die darauffolgenden Tage waren für die Sprinter reserviert. Ich rechnete mir keine großen Chancen aus und ließ die Rennen aus. Für den Mixed-Teamsprint fehlte uns eine dt. Skilangläuferin im Team und inter-nationale Teams ließ die FISU leider nicht zu. Stattdessen nutzen wir die freien Tage um einige andere Wettkampfstätten zu besichtigen und auf die letzten Rennen vorbereitet zu sein. In der folgenden Staffel wurde ich mit zweimal besten deutschen Ergebnis in den Einzelrennen auf die dritte Position nominiert. Nach den Einzelleistungen sollten wir ein deutlich stärkeres Team als 2015 am Start haben und somit hatten wir uns das ehrgeizige Ziel gesteckt in die Diplomränge zu laufen. Also unter die bes-ten acht. Christian Winker lief einen staken Start, aber es setzte sich leider eine sechs-köpfige Spitzengruppe ab. Joshua Strübel auf der zweiten Position schlug ein enor-mes Tempo und versuchte die Lücke zu schließen, was ihm aber nicht gelang. Nach dem reibungslosen Wechsel war ich auch allein unterwegs. Ich lief auf den ersten Runden ungefähr die Zeiten der Spitze und machte zu Platz 5 und 6 etwas Zeit gut. In der letzten Kurve hin zum Wechsel geschah das Missgeschick. Aus der Hocke kommend ging mir nach ein zwei Schritten der Ski aus ungeklärten Gründen ab und fuhr ohne mich in die Bande. Daraufhin stürzte ich leicht und musste zurück den Ski anschnallen. Das kostete mich wohl eine halbe Mi-nute. Vor und hinter mir war zum Glück weit und breit keine andere Staffel zu se-hen. Also hat es nichts am Ergebnis geändert, ist aber trotzdem sehr ärgerlich. Ab nächstes Jahr gibt es neue Bindungen mit einem anderen System und dann ist sowas hoffentlich ausgeschlossen. Nach meinem etwas verspäteten Wechsel lief Andi die Staffel auf der siebten Position souverän ins Ziel. Etwas schade, dass wir bereits kurz nach dem Start nicht mehr um eine bessere Platzierung kämpfen konnten, aber wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

2017-02-08 04-51-34 - 0040Der abschließende 30km Massenstart sollte mir etwas besser liegen und hatte nach dem 19. Platz 2015 und bereits den Top20 im Verfolgungsrennen die Top15 angepeilt. Allerdings ist mein Klassik durch die Spezialisierung auf den Doppelstockschub in den letzten Jahren stark vernachlässigt worden. Das Starterfeld hatte bereits einige Lücken und es waren nicht mehr alle Athleten am Start. 24 Stunden später wusste ich auch warum. Ich kam auch leider überhaupt nicht ins Rennen, fand kein richtiges Tempo und mein Körper bremste mich aus. Am Ende reichte es nur zu Platz 25. Tags drauf, noch gar nicht richtig in Deutschland angekommen, lag ich bereits schon mit einer Erkältung flach, was mich sicherlich in meiner Leistung beeinflusst hatte.

2017-02-06 09-58-33 - 0159
Trotz alledem schau ich auf meine wirklich letzte Universiade als Student sehr zufrieden zurück. Ich konnte meine bisherigen Ergebnisse bestätigen und sogar verbessern. Von der Illusion in die Medaillenränge zu laufen hatte ich mich bereits in Trento 2013 verabschiedet. Das Starterfeld ist einfach zu stark und unsere DSV Athleten, die nicht in Vollzeit studieren, müssten sich sicherlich strecken um eine Chance zu haben. Der Stellenwert dieser Veranstaltung schwankt sehr von Nation zu Nation. Die Gastgeber, die russische und osteuropäische Mannschaften reisen mit Weltcup-Sportler an und bestimmen die Rennen. Meine Form war auf dem Punkt da und es hat einfach Spaß gemacht mit dem kleinen Team des ADH unterwegs gewesen zu sein.
Ich würde mir wünschen, dass die Universiade in Deutschland einen größeren Stellenwert bekommt. Sie und die studieren-den Sportler haben es verdient! Die Winter-Universiade war auch medial ein großer Erfolg. Die Sender Eurosport und Eurosport 2 übertrugen viele Stunden live von den Weltspielen der Studierenden, was noch einmal den Stellenwert der Multisportveranstaltung unterstreicht.
Für den interessierten Zuschauer war ich auch einige Male im TV und verschiedenen Berichten zu sehen. Ich hoffe, ich konnte so unsere Region und den Skilanglauf gut präsentieren. In diesem Atemzug möchte ich mich noch einmal ganz besonders bei meinen Unterstützern bedanken:
– meiner Hochschule, der Westsächsischen Hochschule Zwickau mit dem Hochschulsportzentrum und dem Mentor Verein,
– dem Tourismusverband Erzgebirge e.V.,
– der Schröder + Heidler GmbH aus Neudorf &
– meinem Heimatverein, den SC Norweger 1896 Annaberg e.V.
euer Toni

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